Europäische Verteidigungsgemeinschaft(EVG)

Die Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) von 1952 sollte eine europäische Armee schaffen und damit auch eine weitere westeuropäische Einigung fördern. Frankreich, die Benelux-Staaten, Italien und die BRD wären daran beteiligt gewesen; letztere war auch deshalb daran interessiert, weil auf diese Weise Wiederbewaffnung und das Ende des Besatzungsstatuts gleichzeitig erfolgt wären. Das Projekt scheiterte 1954, als es im französischen Parlament keine Mehrheit erhielt. Im Jahr darauf wurde die westdeutsche Wiederbewaffnung statt durch eine EVG durch den NATO-Beitritt der BRD ermöglicht.

Nach Ausbruch des Kalten Krieges wurde am 09. August 1950 von Winston Churchill eine europäische Armee mit westdeutscher Beteiligung gefordert. Diese sollte mit den USA zusammenarbeiten. In den USA begann sich gleichzeitig die Vorstellung durchzusetzen, eine westeuropäische Verteidigungsstreitmacht unter Führung der NATO aufzubauen.

Bundeskanzler Konrad Adenauer betrieb im Rahmen einer verstärkten Westintegration und der Wiedererlangung einer (west-)deutschen Souveränität (Ende des Besatzungsstatuts und Kriegszustandes)gleichfalls systematisch eine westdeutsche Wiederbewaffnung. In einem vorerst geheimen Memorandum an die Hohen Kommissare vom 30. August 1950 erklärte er sich in einem Alleingang bereit, ein westdeutsches Kontingent im Rahmen einer internationalen westeuropäischen Armee bereitzustellen. Dieser Vorstoß war innenpolitisch bis in die Regierung Adenauer hinein massiv umstritten. Die Vorbereitungen begannen aber bald während der Tagung der westdeutschen militärischen Expertenkommission aus ehemaligen hochrangigen Wehrmachtsoffizieren im Eifelkloster Himmerod vom 3. bis 6. Oktober 1950. Die erarbeitete Denkschrift über die Aufstellung eines deutschen Kontingents im Rahmen einer internationalen Streitmacht zur Verteidigung Westeuropas (Himmeroder Denkschrift) zielte nicht nur auf die Aufstellung von Truppen ab, sondern entwarf auch Konzepte zur Inneren Führung und dem Staatsbürger in Uniform.

Am 24. Oktober 1950 unterbreitete der französische Ministerpräsident René Pleven (1901–1993), orientiert am Schuman-Plan und um die politische Initiative nicht zu verlieren, den so genannten Pleven-Plan der französischen Nationalversammlung. Danach sollte eine europäische Armee unter Beteiligung der BRD entstehen. Im Gegensatz zu den anderen Ländern der Verteidigungsgemeinschaft Frankreich, Italien und den drei Benelux-Staaten, hätten die westdeutschen Truppen ganz in den internationalen Streitkräften aufgehen müssen. Damit wäre der Aufbau einer eigenen Armee in der BRD verhindert worden. Frankreich behielte hingegen die Oberhoheit über die eigenen Streitkräfte. Die USA unterstützten den Pleven-Plan, der eine enge Kooperation der europäischen Streitmacht mit dem US-Militär vorsah.

In den 1951 intensiv betriebenen Verhandlungen um eine Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) forderte die Regierung der BRD als Gegenleistung für die Aufstellung westdeutscher Truppen unter europäischer Führung die Ablösung des Besatzungsstatuts und die Einrichtung eines Verteidigungsministeriums, was eine weitgehende innen- und außenpolitische Souveränität nach sich gezogen hätte (erster Deutschlandvertrag oder Generalvertrag; weitgehendes Ende der Alliierten Vorbehaltsrechte). Frankreich wollte dem erst zustimmen, wenn die militärische Integration und damit die „Entnationalisierung“ der westdeutschen Truppen vertraglich verabschiedet sein würde; der Deutschlandvertrag konnte nach dieser Auffassung also erst in Kraft treten, wenn der EVG-Vertrag von den nationalen Parlamenten ratifiziert worden war. Mehrere strittige Fragen führten zu einer langen Dauer der Beratungen. Insbesondere bei der Größe der nationalen Einheiten, den Deutschland zugestandenen Waffensystemen und -produktionsstätten sowie der Ausgestaltung der EVG-Führung, insbesondere der Nationalität der Kommandeure, ließen sich nur schwer Einigungen erzielen. Auf Druck der USA wurden diese Probleme entweder in Kompromissen oder durch Vertagung vorerst gelöst. Am 26. und 27. Mai 1952 wurde der EVG-Vertrag schließlich unterzeichnet. Als langfristige Perspektive sah das Projekt einer Europäischen Verteidigungsgemeinschaft die Verschmelzung Westeuropas zu einer politischen Union vor.

Mit der Vertragsunterzeichnung waren die Bedenken in Deutschland und Frankreich jedoch nicht überwunden. Besonders die SPD war mit der Wiederbewaffnung in der Form der EVG nicht einverstanden. In Frankreich störten die Gaullisten sich an dem möglichen Kontrollverlust über die eigene Armee, da der EVG-Vertrag zwingend mit einer Abschwächung oder gar Aufhebung des Besatzungsstatus verbunden war. Zudem wurde aus der UdSSR massiver Protest laut. Um im eigenen Land Zustimmung zur EVG zu erhalten, bemühte sich die französische Regierung 1953, Zusatzverträge durchzusetzen, um die Verfügungsgewalt über die eigene Armee auch innerhalb der EVG weitestgehend zu erhalten. Wiederum unter Druck der USA und der anderen EVG-Mitglieder wurden diese Forderungen teilweise abgemildert und schließlich angenommen. Im Mai 1953 erfolgte die Ratifizierung der EVG-Verträge durch die BRD.

In Frankreich hatte inzwischen eine gaullistische und damit der EVG gegenüber skeptische Regierung die Macht übernommen.

Ziel der Sowjetunion war die militärische Integration Westdeutschlands in eine westlichen Militärblock verhindern. Im Frühjahr 1952 schlug sie vor in Verhandlungen über die Wiederherstellung der Einheit Deutschlands auf der Grundlage freier Wahlen einzutreten.

1954 befasste die Weltpolitik sich auf der Indochinakonferenz mit dem französischen Indochinakrieg, und die Sowjetunion vermittelte am 20. Juli 1954 eine für Frankreich glimpfliche Lösung diesen zu beenden.

Es folgte die Absage der französischen Regierung an die EVG und die französische Nationalversammlung lehnte am 30. August 1954 die Ratifizierung des EVG-Vertrags ab. Neben dem Bundestag der BRD hatten zu diesem Zeitpunkt bereits die Parlamente Belgiens, Luxemburgs und der Niederlande zugestimmt. Italien stand kurz vor der Ratifikation.

Zunächst wurde auch im Bundestag der BRD und im Bundesrat(Vertretung der Bundesländer der BRD) die Diskussion monatelang geführt. Auch das Bundesverfassungsgericht wurde angerufen. Die Wiederbewaffnung war umstritten, man befürchtete einen neuen (west)-deutschen Militarismus, die Festschreibung der Teilung Deutschlands und die Zuspitzung des Ost-West-Konflikts. Für die BRD bedeutete das Scheitern EVG eine Beibehaltung des Besatzungsrechts.

Als Ersatz wurde allerdings noch 1954 von den Mitgliedern des Brüsseler Paktes zusammen mit der BRD und Italien durch die so genannte Londoner Akte die Westeuropäische Union (WEU) gegründet, um die BRD militärpolitisch einbinden zu können.

Nach Verabschiedung der Pariser Verträge 1954 und des in diesen enthaltenen zweiten Deutschlandvertrages wurde schließlich der Beitritt der BRD zur NATO beschlossen.

Auf der Berliner Außenministerkonferenz von 1954 verhandelten die vier Mächte über die Möglichkeit einer Wiedervereinigung. Kurz vor der endgültigen Entscheidung über den Eintritt in die NATO im Januar 1955 wiederholte die Sowjetunion ihr Angebot von 1952.

Der Beitritt der BRD wurde am 9. Mai 1955 vollzogen. Die weiter bestehenden französischen Bedenken waren zuvor durch die Garantie der USA, dauerhaft Streitkräfte in Europa zu stationieren, und durch eine Verzichtserklärung der BRD, atomare, biologische und chemische Waffen herzustellen, ausgeräumt worden.

Als Folge erließ die Volkskammer der DDR im Januar 1956 das „Gesetz über die Schaffung der Nationalen Volksarmee und des Ministeriums für Nationale Verteidigung“ Die bereits bestehenden Polizeieinheiten, die Kasernierte Volkspolizei wurden neu organisiert und formell die Nationale Volksarmee(NVA) gegründet.

 

Entnommen aus Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

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Friedrich-Wilhelm-Heinz-Dienst

Der Friedrich-Wilhelm-Heinze-Dienst, kurz FWH-Dienst oder auch FWHD, war ein Geheimdienst der BRD. Benannt war er nach dessen ersten Leiter Friedrich Wilhelm Heinz. Der offizielle Name des Dienstes lautete Archiv für Gegenwartsforschung.

1950 wurde der ehemalige General der Panzertruppe Gerhard Graf von Schwerin von Bundeskanzler Adenauer beauftragt einen Arbeitsstab unter dem Dach des Bundeskanzleramtes mit dem Namen Dienststelle Schwerin aufzubauen. Dazu gehörte auch die Versorgung des Bundeskanzleramtes mit geheimen Informationen.

Im Juli 1950 wurde Heinz der Dienststelle Schwerin „attachiert“. Dies bedeutete, dass er für das Bundeskanzleramt arbeitete, aber nicht regulär von diesem entlohnt wurde. Unter dem Dach der Dienststelle Schwerin begann Heinz mit dem Aufbau eines Nachrichtendienstes.

Der FWHD wurde im Gegensatz zur Organisation Gehlen und anderen Geheimdiensten der BRD nicht von den Alliierten Besatzungsmächten kontrolliert, was gegen die Kapitulationsbedingungen verstieß, aber von den westlichen Besatzungsmächten geduldete wurde. Konrad Adenauer wollte sich nicht nur auf geheimdienstliche Informationen der alliierten Geheimdienste verlassen.

Der erste Sitz des FWHD war Bad Godesberg, später auch Frankfurt am Main. Im Spätherbst 1950 wurde die Dienststelle Schwerin aufgelöst und der FWHD von der Nachfolgebehörde, dem Amt Blank, übernommen. 1951 wurde der Sitz dieses Dienstes endgültig nach Wiesbaden verlegt. Bald wurden die ersten Außenstellen in Westberlin und München aufgebaut. Ebenso hatte der FWHD Stützpunkte in Wien und Triest.

1951 hatte der Dienst einen Etat von 346.000 DM, 1953 700.000 DM bei geschätzten 200 Mitarbeitern. Im Vergleich dazu verfügte die Organisation Gehlen 1954 über einen Etat von 20 Millionen DM und 3.500 Mitarbeiter.

Schwerpunkt der Arbeit waren 1950 die Aufklärung der innenpolitischen Situation der BRD und der Aufrüstung in DDR(Damals nannte man in der BRD die DDR immer noch „Sowjetische Besatzungszone“).

Es wurden Informationen über Organisationen am rechten und linken Rand in der politischen Landschaft der BRD gesammelt. Das Sammeln der Informationen betraf auch Soldatenverbände, Politiker und andere Persönlichkeiten.

Überprüft wurden auch die deutschen Dienstgruppen der amerikanischen Labor Service Unit. Die Aufgabenfelder überschnitten sich dadurch großflächig mit denen des Bundesnachrichtendienstes und des Verfassungsschutzes. Dadurch entstand ein Konkurrenzkampf zwischen den einzelnen Geheimdiensten, dem Heinz auf Dauer nicht gewachsen war.

US-Army-Bericht über die Aktivitäten des „Archivs für Gegenwartsforschung“ vom 18. September 1950
US-Army-Bericht über die Aktivitäten des „Archivs für Gegenwartsforschung“ vom 18. September 1950
Bildquelle: Von William L. Parkinson, 66th Counter Intelligence Corps Detachment, US Army – http://www.foia.cia.gov/docs/DOC_0000689577/DOC_0000689577.pdf, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17157674

 

1953 wurde Heinz beschuldigt, sich als Oberst ausgegeben zu haben, obwohl er nur den Dienstgrad eines Oberstleutnants inne hatte. In einem Gerichtsverfahren wurde er für schuldig befunden, obwohl er sich selbst als unschuldig erklärte, da er seiner Ansicht nach zum Oberst ernannt worden war. Da konnte er aber nicht nachweisen.  Heinz reichte deshalb sein Rücktrittsgesuch ein, welches durch Theodor Blank am 01. Oktober 1953 bewilligt wurde. Er wurde daraufhin beurlaubt und 1954 aus dem Staatsdienst entlassen.

Der FWHD wurde danach in „Archiv für Zeitgeschehen“ umbenannt und bestand weiter bis zum 31. März 1956. Danach wurde der Dienst in Teile der Bundeswehr und anderer Geheimdienste der BRD überführt.

 

Entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

 

Theodor Blank

Theodor Blank wurde am 19. September 1905 in Elz geboren und ist am 14. Mai 1972 in Bonn gestorben.

Nach ihm war das Amt Blank, die Vorläuferinstitution des Verteidigungsministeriums der BRD, benannt.

Theodor Blank(Bundeswehrfoto)
Theodor Blank(Bundeswehrfoto)

 

Bildquelle: Von Bundeswehr-Fotos Wir.Dienen.Deutschland. – Verteidigungsminister Theodor Blank, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16048551

 

Von 1955 bis 1956 war Theodor Blank der erste Verteidigungsminister der BRD. Von 1977 bis 1965 war er Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung.

Theodor Blank absolvierte nach dem Volksschulabschluss 1919 bis 1923 eine Lehre zum Modellschreiner und einen Lehrgang für Metallarbeiter. Bis 1929 war er als Arbeiter in einer Steinfabrik beschäftigt. Von 1929 bis 1933 war er Gewerkschaftssekretär beim Zentralverband christlicher Fabrik- und Transportarbeiter. 1930 erwarb er an der Abendschule die Oberschulreife.

Nach dem Verbot der christlichen Gewerkschaften durch die Faschisten war Blank in den Jahren 1934 und 1935 arbeitslos. Durch die Faschisten bedrängt, fand er im Bischöflichen Konvikt in Braunsberg Sicherheit. Dort bereitete er sich auf seine Abiturprüfung vor, die er 1936 als Externer am Carl-Humann-Gymnasium in Essen ablegte. Im Anschluss nahm er ein Studium der Mathematik und Physik an der Universität Münster auf, das er aber aus finanziellen Gründen abbrechen musste. Danach arbeitete er rund ein Jahr als Konstrukteur in den Junker Flugzeug- und Motorenwerken in Dessau und begann ein Studium der Ingenieurwissenschaften an der Technischen Hochschule Hannover. Von 1938 bis 1939 war er als Konstrukteur bei einer Grubenfirma in Dortmund tätig. 1939 heiratete er die Dortmunderin Paula Baumgart. Von 1939 bis 1945 nahm er als Soldat bei der Panzerjägertruppe am II. Weltkrieg teil, in dem er ebenfalls als Konstrukteur tätig war. Zuletzt hatte er den Rang eines Oberleutnants der Reserve inne. Sein Studium in Hannover musste er jedoch nach seiner Einberufung zur Wehrmacht aufgeben.

Nach Kriegsende gehörte Theodor Blank zu den Mitbegründern des Deutschen Gewerkschaftsbundes(DGB). Von 1945 bis 1950 gehörte der dem Vorstand der IG Bergbau – ab 1948 als dritter Vorsitzender- an. Er gründete den Dortmunder Verband der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft.

Unmittelbar nach dem II. Weltkrieg wurde Blank am 14. Dezember 1945 in die Dortmunder Stadtvertretung berufen. Im Oktober 1946 wurde er Mitglied der Ernannten Landtags Nordrhein-Westfalens. Von 1947 bis 1949 gehörte er außerdem dem Wirtschaftsrat der Bizone an. Dort war er einer der entschiedenen Verfechter einer „sozialen Marktwirtschaft“(abgemilderter Kapitalismus) nach dem Modell des Ahlener Programms. Dies war ein Programm der CDU, woran sie sich nicht mehr erinnern will.

1945 gehörte Blank zu den Mitbegründern der Christlich Demokratischen Union Deutschlands(CDU) in Westfalen. Von 1958 bis 1969 war er Mitglied im Bundesvorstand der CDU. Von 1958 bis 1966 war er außerdem stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender und damit Mitglied im Präsidium der CDU.

Von 1949 bis zum 21. April 1972 war Blank Mitglied des Bundestages.

1952 gehörte Blank zu einer Gruppe von 34 Abgeordneten der CDU/CSU-Fraktion, die einen Gesetzentwurf zur Einführung des relativen Mehrheitswahlrechts in den Bundestag einbrachten und damit auch die Stabilität der Koalition gefährdeten.

Von 1965 bis 1969 fungierte er als stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, nachdem er schon 1956/57 dem Fraktionsvorstand als Beisitzer angehört hatte. 1957 erarbeitete er den Gesetzentwurf der Unionsfraktion zur Privatisierung des Volkswagenwerks.   Siehe auf Wikipedia VW-Gesetz

Theodor Blank ist stets als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Borken – Bocholt – Ahaus beziehungsweise Ahaus-Bocholt in den Bundestag eingezogen.

Theodor Blank wurde am 26. Oktober 1950 zum Beauftragten des Bundeskanzlers für die mit der Vermehrung der alliierten Truppen zusammenhängenden Fragen ernannt.

Als Sonderbeauftragter des Kanzlers richtete Theodor Blank ab 1950 das Amt Blank(auch Dienststelle Blank genannt)ein, die sich ausschließlich mit der Wiederbewaffnung der BRD beschäftigte. Dies war in der Öffentlichkeit sehr umstritten. Die Mehrheit der Bevölkerung lehnte nach dem Elend des II. Weltkrieges die Wiederbewaffnung ab.

Als Leiter des Amtes Blank war er 1951 auch Chef der bundesdeutschen Delegation beim „Interimsausschuss für die Organisation der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft“.

Im Zuge der Kritik an der Wiederbewaffnung war Blank auch persönlichen Angriffen ausgesetzt. Ein spektakulärer Zwischenfall ereignete sich am 24. November 1954 in Augsburg. Bei einer CSU-Wahlveranstaltung in der Rosenaustadion-Gaststätte konnte er nach der Begrüßung „Meine Damen und Herren“ 25 Minuten lang kein Wort sagen. Über 700 Protestierer im völlig überfüllten Lokal brüllten den Redner nieder. Als ihn die Polizei hinausbegleitete, wurde Blank „von einem Glassplitter, der von einem aus der Menge geschleuderten Weinglas stammte, an der rechten Wange verletzt und außerdem von einer Krücke ins Kreuz getroffen, die ein Kriegsversehrter schwang“. Diese Wut ist verständlich, da die Wiederbewaffnung von der Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt wurde. Heute wäre ein Angriff auf eine prominente Persönlichkeit aus der Politik nicht möglich.

Am 07. Juni 1955 wurde Theodor Blank zum ersten Verteidigungsminister der BRD ernannt. Von diesem Amt trat er am 16. Oktober 1956 im Rahmen der ersten großen Kabinettsreform der Regierung Adenauer zurück. In Blanks Amtszeit fiel die Aufgabe der Materialbeschaffung für die neugegründete Bundeswehr.

Paris, Besuch Theodor Blank
Theodor Blank (links) 1957 in Paris
Bildquelle: Von Bundesarchiv, Bild 183-51766-0003 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5429253

 

 

Blanks Nachfolger als Verteidigungsminister der BRD wurde Franz-Josef Strauß.

Nach der Bundestagswahl 1957 wurde Blank zum Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung ernannt.

Nach der Bundestagswahl 1965 schied er am 26. Oktober 1965 aus der Bundesregierung aus.

Sein Bruder Joseph Blank war von 1954 bis 1958 Landtagsabgeordneter in Nordrhein-Westfalen. Sein Sohn ist Theodor Blank Junior. Sein Neffe Joseph-Theodor Blank gehörte dem Bundestag der BRD von 1983 bis 2002 an.

 

Entnommen aus Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

 

Amt Blank

Das Amt Blank(auch Dienststelle Blank genannt)war von Oktober 1950 bis 1955 die Vorgängerinstitution des Verteidigungsministeriums der BRD. Die offizielle Bezeichnung lautete Dienststelle des Bevollmächtigten des Bundeskanzlers für die mit der Vermehrung der alliierten Truppen zusammenhängenden Fragen.

Behördenleiter war zunächst Theodor Blank, der von 1955 bis 1956 Verteidigungsminister der BRD war.

Amt Blank, Loosch, Wirmer, Blank, Holtz, Heusinger
Mitarbeiter des Amtes Blank vor der Ermekeilkaserne. Von links nach rechts: Gerhard Loosch, Ernst Wirmer, Theodor Blank, Wolfgang Holtz und Adolf Heusinger.
Bildquelle: Von Bundesarchiv, Bild 146-1968-013-07 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5418771

 

Bereits von Mai bis Oktober 1950 Gerhard Graf von Schwerin Berater von Bundeskanzler Konrad Adenauer in sicherheitspolitischen Fragen.

Er hatte Vorbereitungen eines zukünftigen Verteidigungsministeriums getroffen. Hierfür wurde die Dienststelle Schwerin mit der Tarnbezeichnung Zentraler Heimatdienst(ZfH)gebildet. Diese Institution darf man nicht mit der Bundeszentrale für Heimatdienst, später Bundeszentrale für politische Bildung verwechseln.

Die ZfH war dem Friedrich-Wilhelm-Heinz-Dienst (FWHD)angegliedert. Dieser Dienst war ein Geheimdienst der BRD, welcher in Vergessenheit geraten ist.

Adenauer entließ Schwerin im Oktober 1950, nachdem dieser mit Pressevertretern über seine Tätigkeit gesprochen hatte. Daraufhin wurde Theodor Blank am 26. Oktober sein Nachfolger. Zugleich wurde die Dienststelle offiziell gegründet und die Dienststelle Schwerins, die ZfH, übernommen.

Wichtige Mitarbeiter im Amt Blank waren die Generäle Adolf Heusinger, Hans Speidel und Heinz Trettner, außerdem der Vordenker einer zivilen Bundeswehrverwaltung Ernst Wimmer.

Die Arbeit des Amtes Blank, die der Wiederbewaffnung diente, widersprach den Bestimmungen der Alliierten, wonach Deutschland langfristig entmilitarisiert werden sollte. Jedoch war die Arbeit des Amtes Blank den Westalliierten bekannt und wurde von ihnen geduldet.

Die Dienststelle Blank untersuchte u.a. Tarnmuster, Kampf- und Ausgehanzüge für die Bundeswehr. Man entschied sich für ein leicht abgewandeltes Splitter-Tarnmuster, das bereits 1931 bei der Reichswehr eingeführt worden war. Im Zusammenhang mit der seit 1952 geplanten Europäischen Verteidigungsgemeinschaft(EVG). Der mehrere westeuropäische Staaten angehören sollten, wurde mit einer leicht abgewandelten Variante des bis 1945 entwickelten SS-Leibermusters, einem Flecktarnmuster, experimentiert. Diese Stoffe und Muster wurden in Belgien hergestellt. Nachdem Frankreich den bereits ratifizierten EVG-Plänen im letzten Moment doch nicht zustimmte, wurde die weitere Ausgabe der EVG-Uniform an die neu gegründete Bundeswehr 1956 eingestellt.

Insgesamt blieben bei der Bundeswehr-Ausrüstung noch viele Anklänge an die preußisch-deutsche Heerestradition bestehen. Auch für die Einführung von militärischen Fahrzeugen, wie dem VW Munga, war Theodor Blank verantwortlich.

Das Amt Blank finanzierte zu großen Teilen auch die Gesellschaft für Wehrkunde. Eine arbeitsteilige Kooperation wurde gebildet.

Entnommen aus Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel