CIA-Auftrag nicht erfüllt

Wer erinnert sich an die Geliebte von Fidel Castro, die von der CIA den Auftrag bekam ihn zu vergiften?

Sie tat es nicht.

Anlässlich ihres Todes gibt es nun diesen Zeitungsartikel.

Fidel Castro als „Zigarren-Revoluzzer“ zu bezeichnen ist daneben. Nun ja, bürgerliche Presse eben.

Verschwörungstheorie hin oder her, eins ist Fakt, hätte Maritta Lorenz den Auftrag der CIA ausgeführt und Fidel Castro vergiftet, wäre sie gewiss nicht  verarmt.

 

Zeitungstext:

Samstag, 14. September 2019, Oeffentlicher Anzeiger Bad Kreuznach

Wird Fidel Castros Muse in BME beigesetzt? 

Albert Kossmann

Bild zu Artikel Maritta Lorenz
Fidel Castro 1959 an Bord der MS Berlin, neben ihm Marita Lorenz, links ihr Vater und Kapitän der Bremen (Hapag Lloyd), Heinrich Lorenz. Foto: dpa

Bad Münster-Ebernburg. Sie führte ein filmreifes, abenteuerliches Leben. Das Ende des Zweiten Weltkriegs bis zur Befreiung war sie mit ihrer Mutter, einer amerikanischen Tänzerin, im Frauen-KZ in Bergen-Belsen inhaftiert.

Sie hatte eine neunmonatige leidenschaftliche Affäre mit Kubas Revolutionsheld und 49 Jahre amtierenden Präsidenten Fidel Castro, Amouren mit amerikanischen Mafiabossen, Polizeichefs und südamerikanischen Diktatoren, unter anderem mit dem venezolanischen Despoten Marcor Perez Jemenez. Er vermachte ihr fünf Millionen Dollar, die die CIA konfiszierte. In dessen Fänge war sie nach ihrer Abreise aus Kuba geraten und sollte Fidel Castro töten. Die Rede ist von Marita Lorenz, der „Mata Hari von Bad Münster am Stein“. Legenden über Legenden ranken sich um die Muse des Zigarren-Revoluzzers.

Marita Lorenz war die Tochter von Kapitän Heinrich Lorenz, Ehrenbürger der Kurstadt unter dem Rheingrafenstein und Namensgeber der Straße am Naheufer. Dort war er geboren, dort wurde er auch beigesetzt. Seine Tochter, die ein dramatisches und umtriebiges Leben führte, das nicht in allen heute verbreiteten Nuancen stimmig scheint, starb am 31. August völlig verarmt in einem Seniorenheim im westfälischen Oberhausen an Herzversagen. Dort hatte sie nach ihrer Übersiedlung aus den USA nur noch einige Wochen gelebt. Marita Lorenz wurde 80 Jahre alt.

Der Termin ihrer Urnenbeisetzung in ihrer Heimat BME steht noch nicht fest. Die Kinder, Mark und Mercedes Lorenz, weilten ein paar Tage in der Kurstadt, sind aber inzwischen wieder abgereist. Für die Beisetzung ihrer Mutter wollen sie an die Nahe zurückkehren.

Wo Marita Lorenz geboren wurde, bleibt im Dunkeln: In ihrer Vita ist Bremen als Geburtsstadt genannt. Auch in ihrem inzwischen verfilmten Buch „Lieber Fidel“ gibt sie die Hansestadt als Geburtsort an. Der Verfasser dieser Zeilen erinnert sich aber an eine Talkshow mit Alfred Biolek, dem sie seinerzeit in radebrechendem Deutsch verriet, in Bad Kreuznach zur Welt gekommen zu sein.

„Es war Marita Lorenz‘ absoluter Wunsch, im Familiengrab der Lorenz neben dem geliebten Vater in Bad Münster begraben zu werden“, informierte Mirko Benz (38) aus Ebernburg, Großneffe von Marita Lorenz im Gespräch mit dem „Oeffentlichen“. Er war ihr bei ihren Aufenthalten in Bad Münster insgesamt fünfmal begegnet. Seine Großtante sei eine lebhafte Person und ein unruhiger Geist gewesen, erinnert sich Benz. Gern und häufig habe sie von ihrer Heimat geschwärmt und oft von goldenen Zeiten mit ihrem Vater an Bord des Hapag-Lloyd-Schiffs „Berlin“ erzählt. Mit dem Kreuzfahrer ankerte ihr Vater im Februar 1959, einen Monat nach der kubanischen Revolution, bei der Diktator Fulgencio Batista gestürzt worden war, vor Havanna. Auf eine Stippvisite kam der bärtige Revolutionsführer Fidel Castro mit Gefährten an Bord. Beim obligatorischen Käpt’ns Dinner saß die damals 19-jährige bildhübsche Kapitänstocher neben dem charismatischen Revolutionär – und verliebte sich prompt in ihn.

„Es war Liebe auf den ersten Blick“, schrieb sie in ihrem Buch. „El Commandante“ , der dafür bekannt war, dass er auch bei Frauen „nichts anbrennen“ ließ, nahm die deutsche Schönheit gegen den Willen ihres Vaters mit und versprach ihr, sie zur „Königin von Kuba“ zu krönen. Als Marita Castro verließ, offenbar, weil sie ein Kind des Revolutionärs auf mysteriöse Weise verlor, geriet sie ins Visier der amerikanischen Geheimdienste. Und wurde, heute kaum mehr nachprüfbar, angeblich mit dem Auftrag angeheuert, Castro zu ermorden. Nach Kuba zurückgekehrt, wurde sie bei Fidel erneut schwach und schüttete das Gift, das ihn töten sollte, kurzerhand in die Toilette. Noch einmal geriet sie in die Gazetten durch ihre zahllosen Affären mit Promis der Güteklasse B und C, vor allem aber durch ihre Bekanntschaft mit dem angeblichen Kenndedy-Mörder Lee Harvey Oswald und dessen Killer, Barbesitzer Jack Ruby, sowie ihre Mitgliedschaft im US-Killerkommando OP 40.

Bis wenige Wochen vor ihrem Tod lebte Marita Lorenz in den USA von Sozialhilfe. Vermutlich, so Verschwörungstheorien, weil sie den Auftrag Castro zu ermorden, nie ausführte. „FBI und CIA vergessen nie“, soll sie einmal gesagt haben. Tragisch für Marita, dass sie die für den 11. Oktober 2019 geplante Premiere des Dramas über sie „Alles ist wahr – Die neun Leben der Marita Lorenz“ im Oberhausener Theater nun nicht mehr erleben kann.

Original-Zeitungsausschnitt:

Oeffentlicher 14.09.2019

 

Einleitungstext Petra Reichel

Zeitungsartikel aus „Öffentlicher Anzeiger“ vom 14. September 2019

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